Händler kämpfen für die Durchfahrt, NRZ vom 10.10.2019

Das Durchfahrtsverbot für Holz- und Fischmarkt bleibt in der Diskussion. Elke Wiegmann

Die Rheinberger Werbegemeinschaft versuchte den Rat persönlich zu überzeugen, die Entscheidung über die Straßensperrung des Holz- und Fischmarktes zu überdenken.

Die Diskussion um das geplante Durchfahrtsverbot des Holz- und Fischmarktes für den Autoverkehr reißt nicht ab. Der Rheinberger Bau- und Planungsausschuss sprach sich in seiner Sitzung Mitte September mehrheitlich für eine einjährige Testphase und somit für eine Sperrung aus. SPD, Grüne und Linke sehen dadurch eine Attraktivitätssteigerung für die Innenstadt. CDU und FDP stimmten damals dagegen, weil sie Verluste für die Einzelhändler befürchten. Einfach hinnehmen will auch die Rheinberger Werbegemeinschaft die geplante Straßensperrung nicht. Ein Großteil der ortsansässigen Geschäftsleute kam deshalb am Dienstag in die Ratssitzung, um ihrem Ärger erneut Luft zu machen. „Wir sind von der Entscheidung ziemlich überrannt worden“, kritisierte Klaus Neumann, Inhaber der Buchhandlung Schiffer-Neumann. Er sprach für die Werbegemeinschaft.

Die knapp sechsmonatige Bauzeit in der ersten Jahreshälfte und die damit zwangsläufige Sperrung der Durchfahrt habe gezeigt, dass mit finanziellen Einbußen zu rechnen sei. Arbeitsplätze würden wegfallen. „Ich bitte Sie, Ihre Abstimmung zu überdenken. Ich möchte noch langfristig mit meinem Geschäft hierbleiben“, sagte Neumann.

Das Thema sorgte auch unter den Fraktionen weiterhin für Zündstoff, wie die anschließende Diskussion zeigte. CDU-Fraktionschef Erich Weisser bezeichnete die Sperrung als reine „Versuchsgeschichte“ mit potenziell drastischen Folgen. Jürgen Madry (SPD) betonte erneut, dass es nicht um die Sperrung der Innenstadt, sondern um ein 60 Meter langes Teilstück gehe. „Ich habe mit vielen Bürgern gute Gespräche geführt und viele fragten mich, warum denn Busse hier dann noch weiter durchfahren müssen.“

Herbert Becker (FDP) war von der sozialdemokratischen Argumentation nur wenig überzeugt. „Wenn ich mit allen Leuten spreche, finde ich auch jemanden der die Autobahnabfahrt Rheinberg sperren will“, sagte er. „Über die Entscheidung des Bauausschusses war ich fassungslos. Mit hohen Steuergeldern wurde die Straße gerade saniert, damit Autos wieder fahren können, und dann soll sie plötzlich gesperrt werden.“

In den Dialog treten

Wichtig sei es die Geschwindigkeit für die Durchfahrt des Holz- und Fischmarktes zu regulieren. Die Straße bilde die „wichtigste innerstädtische Nord-Süd-Verbindung“. Ein weiterer Kritikpunkt den die Werbegemeinschaft in ihrem Offenen Brief nannte, war die Überschneidung der Sanierungsmaßnahmen in der Gelderstraße mit der versuchsweisen Sperrung. Sie forderten zudem die Sperrung zu verkürzen. Das unterstützte auch FDP-Mann Becker. „Ich weiß nicht, ob die Geschäfte so lange sonst Bestand haben.“ Die Dauer könne der Rat nicht beschließen, sondern nur der entsprechende Ausschuss, erklärte Bürgermeister Frank Tatzel. Der Rat beschloss daher mit 23 zu 18 Stimmen die Sperrung von Holz- und Fischmarkt erst nach Abschluss der Umgestaltung der Gelderstraße, nebst den angrenzenden Straßen Kamper Straße, Beguinenstraße und Alte Poststege, durchzuführen und zuvor in den Dialog mit der Rheinberger Werbegemeinschaft einzutreten.

Und wie schon im Bau- und Planungsausschuss waren es SPD, Grüne und Linke, die dafür stimmten. CDU, FDP und der fraktionslose Ulrich Hecker stimmten dagegen. Die Geschäftsleute verließen zum Teil kopfschüttelnd die Stadthalle. Die Enttäuschung über den nur angepassten Beschluss war ihnen anzusehen. Eine Entscheidung gegen die Sperrung wäre ihnen wohl deutlich lieber gewesen.

Von Jasmin Ohneszeit

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